Was ist Psychotherapie?
Das Wort «Psychotherapie» entstammt dem Altgriechischen und beinhaltet das Wort psyche für Seele sowie das Wort therapeia für Behandlung. Entsprechend trachtet die Psychotherapie, die sich bis an den Beginn des 18. Jahrhunderts zurückführen lässt, danach, seelisches Leid zu lindern. In anderen Worten: Es geht um die professionelle Behandlung psychischer Störungen mit Mitteln aus der Psychologie.
Welche Störungen können mit Psychotherapie behandelt werden?
Die Psychotherapie widmet sich klinischen Krankheitsbildern aus dem Bereich der Psyche. Was als psychische Störung gilt, wird in zwei international anerkannten Kriterienkatalogen festgehalten. Der eine Kriterienkatalog wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) herausgegeben (ICD), der andere entstammt der Feder der Amerikanischen Psychiatrie Vereinigung (APA; DSM). In diese Kataloge werden psychische Störungen nach eingehender, jahrelanger Testung aufgenommen, und anhand von Kriterien definiert. Ausschliesslich Fachpersonen prüfen im Bedarfsfall die Erfüllung dieser Kriterien und stellen Diagnosen. Beispiele hierfür sind Depressionen und Angststörungen.
Welche Psychotherapien gibt es?
Die Disziplin der Psychotherapie hat sich im Zeitverlauf stetig entwickelt und weist verschiedene Ausrichtungen auf. Dazu gehören die Psychoanalyse, die kognitive
Verhaltenstherapie, die systemische Psychotherapie und weitere. Patienten ist nicht selten unbekannt, dass Psychotherapie nicht gleich Psychotherapie ist. Es ergibt Sinn, sich im Vorfeld zu informieren, welcher Schule der favorisierte Psychotherapeut entstammt, und ob es sich dabei um eine Form handelt, die einem entspricht, mit der man arbeiten möchte.
Wer darf sich Psychotherapeut nennen?
Ausschliesslich studierte Psychologen mit einem Abschluss auf Masterstufe an einer Hochschule sowie Ärzte sind für ein mehrjähriges, eidgenössisch anerkanntesWeiterbildungsstudium in Psychotherapie zugelassen. Entsprechend beträgt die Ausbildung eines Psychotherapeuten ab Matura für gewöhnlich mindestens zehn Jahre, oft auch länger. Inhaltlich unterscheidet sich die Arbeit eines psychologischen Psychotherapeuten meist wenig von der eines medizinischen Psychotherapeuten. Ein wesentlicher Unterschied liegt in den Befugnissen, bspw. darf ein medizinischer Psychotherapeut Krankschreibungen oder Rezepte ausstellen, ein psychologischer Psychotherapeut nicht; dafür arbeitet letzterer meist eng mit Hausärzten zusammen.
Nicht nur der Begriff des Psychologen, sondern auch der des Psychotherapeuten ist gesetzlich geschützt, und eine missbräuchliche Verwendung wird strafrechtlich
verfolgt. Im Gegensatz dazu ist der Begriff «psychologisch» nicht geschützt, sodass es sich bei «psychologischen Beratern», «psychologischen Coaches», «psychologischen Therapeuten» etc. häufig nicht um Psychologen und Psychotherapeuten handelt. Ein Unterscheidungsmerkmal ist nebst Art und Ausmass der Ausbildung sowie fehlende
Kostenübernahme durch die Grundversicherung auch, dass psychologische Berater
etc. von Gesetzes wegen keine psychischen Störungen behandeln dürfen. Allerdings werden Symptome, die auf psychische Störungen hindeuten, von dieser Personengruppe nicht verlässlich erkannt, da nicht hierfür ausgebildet.
Ist Psychotherapie wissenschaftlich?
Die Psychotherapie ist eine wissenschaftliche Disziplin vergleichbar mit dem Fachbereich der Medizin. Sie verlangt Evidenzbasiertheit, das heisst dass nur Therapiemethoden zur Anwendung kommen dürfen, deren Wirksamkeit hinreichend dargelegt wurde. In sog. Therapieevaluationsstudien wird geprüft, ob die Methoden wirksam und alternativen Methoden oder Kontrollbedingungen überlegen sind. Dank umfassender Testung sind die heutigen psychotherapeutischen Methoden wissenschaftlich und haben eine hohe Wirksamkeit inne.
Zu guter Letzt…
… wer wegen psychischer Probleme leidet und deswegen in seiner Lebensführung
beeinträchtigt ist, soll sich an den betreuenden Hausarzt oder direkt an einen Psychotherapeuten wenden. Gemäss europaweiter Studien ist ungefähr jede dritte Person mindestens einmal in ihrem Leben von einer psychischen Störung betroffen. Es gibt wissenschaftlich begründete Methoden, die dabei helfen, psychische Probleme langfristig zu lösen. Niemand muss da alleine durch.
Autorin:
Dr. phil. Sandy Krammer, LL.M.
Auch erschienen:
Davoser Zeitung Nr. 22, 143. Jahrgang, S. 17.