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Häufige Fragen zum Thema Suizid

Lukrez sagte: "Der Tod geht uns nichts an. Solange wir existieren, ist der Tod nicht da, und wenn der Tod da ist, existieren wir nicht mehr." Das Thema Tod wird tabuisiert, quasi totgeschwiegen. Noch mehr scheint das für den Tod durch Suizid zu gelten. Das ändern wir hier und gehen das Thema in aller Kürze und doch enttabuisierend an.



Bevor wir starten: Sind Sie in einer akuten Krise?


Wenn Sie sich aktuell in einer akuten Krise befinden, dann holen Sie sich jetzt Hilfe. Hier sind Notfallnummern für die Schweiz:

  • Rettung: 144

  • Feuerwehr: 118

  • Polizei: 117

  • Rega: 1414

  • Europäische Notfallnummer: 112

  • Toxisches Zentrum: 145

  • Die dargebotene Hand: 143


Was bedeutet Suizid?


Das Wort Suizid stammt aus dem Lateinischen und bedeutet "Selbsttötung" (sui caedere - sich töten). Suizidale Handlungen sind Handlungen jedweder Art, die das Ziel verfolgen, sich selbst zu töten. Der Begriff Suizidalität ist weit gefasst und beinhaltet unter anderem Suizidgedanken und sowie -pläne.


Was ist der Unterschied zwischen Suizid, Selbstmord und Freitod?


Ich bevorzuge den Begriff des Suizids und verwende den Begriff Selbstmord nicht. Im Wort Selbstmord steckt das Wort "Mord". Ein Mord ist eine besonders grausame und niederträchtige Handlung, was meines Erachtens nicht zu Situationen passt, in denen eine Person in einer grossen psychischen Not ist und sich in der Folge selbst tötet. Eine solche Person handelt nicht grausam oder niederträchtig, sondern panisch, da sie keinen anderen Ausweg mehr sieht. Ebenfalls sehe ich vom Begriff des Freitods ab. Dieser legt nahe, dass die Selbsttötung ein heroischer Akt von Freiheit sei und freigewählt. Aus purer Not heraus zu handeln hat jedoch wenig mit Freiheit und freier Wahl zu tun, sondern ist Resultat einer akuten, zugespitzten Krise.


Was ist ein erweiterter Suizid?


Bei einem erweiterten Suizid tötet eine Person zunächst eine andere Person und zwar ohne deren Einverständnis, anschliessend tötet die Person sich selbst. Häufige Konstellationen sind eine erwachsene Person, die zunächst die eigene Partnerin oder den eigenen Partner tötet sowie die Kinder, dann sich selbst. Anderen das Leben zu nehmen ist selbstverständlich gesetzwidrig und strafbar.


Sind Selbstverletzungen suizidale Handlungen?


In der Regel handelt es sich bei Selbstverletzungen nicht um suizidale Handlungen. Unter Selbstverletzungen wird schneiden oder ritzen an den Armen oder an den Beinen, sich brennen mit einem Feuerzeug, sich blutig kratzen oder ähnliches verstanden. Hierbei geht es oft eher um eine Form von Spannungsabbau und Emotionsregulation. Durch die Selbstverletzung gelingt es der betroffenen Person, sich zu beruhigen und herunterzufahren. Wenn sich jemand in Ihrer Umgebung selbst verletzt, dann sprechen Sie ihn darauf an. Meistens ist es sinnvoll, dass sich diese Person in professionelle Behandlung begibt.


Im Übrigen haben Personen, die sich selbst verletzen, nicht allesamt eine emotional-instabile Persönlichkeit (Borderline Persönlichkeitsstörung), man kann vom einen nicht auf das andere schliessen. Gleichzeitig kommt es bei Personen mit einer emotional-instabilen Persönlichkeit schon gehäuft zu Selbstverletzungen, aber eben nicht immer.


Wie häufig sind Suizide?


In der Schweiz sterben täglich etwa 2 bis 3 Personen durch Suizid. Nebst Krebs- und Kreislauferkrankungen gehören Suizide zu den häufigsten Gründen für verfrühtes Sterben. Gleichzeitig ist die Suizidrate in der Schweiz in den letzten 20 Jahren zurückgegangen. Bei Frauen betrug sie im Jahr 2019 6.2 von 100'000, bei Männern 17.8 von 100'000. Grönland zeigt die höchste Suizidrate auf der Welt, so versucht jeder vierte bis fünfte Grönländer einmal in seinem Leben, sich zu suizidieren.


Was ist das Ungarische Muster?


Mit ungarischem Muster wird beschrieben, dass die Anzahl vollendeter Suizide mit zunehmendem Lebensalter ansteigt.


Gibt es Risiko- und Schutzmerkmale?


Gemäss der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt es die folgenden individuellen sowie umgebungsabhängigen Risikofaktoren für Suizidalität:

  • frühere Suizidversuche

  • psychische Störungen

  • Alkoholsucht

  • finanzielle Probleme und Arbeitslosigkeit

  • Hoffnungslosigkeit

  • chronische Schmerzen

  • Suizide in der Familie

  • genetische und biologische Merkmale

  • Beziehungsschwierigkeiten

  • Trennungen

  • Einsamkeit

  • fehlende soziale Unterstützung

  • Traumata

  • Diskriminierung

  • Migrationsstress

  • Naturkatastrophen und Kriege

  • Unsensible Medienberichte

  • Verfügbarkeit von tödlichen Mitteln

  • Hohe Schwellen im Gesundheitsbereich

  • Usw.

Oftmals liegen mehrere Risikofaktoren vor.


Nebst den Risikofaktoren gibt es aber auch Schutzfaktoren. Die WHO benennt die folgenden:

  • Selbstvertrauen

  • soziale Kompetenzen

  • Tragfähige Beziehungen

  • Persönliche und berufliche Perspektiven

  • Religiosität

  • Usw.


Beissen bellende Hunde nicht und dürfen schlafende Hunde geweckt werden?


Es ist ein Irrtum, zu glauben, dass bellende Hunde nicht beissen. Oder in anderen Worten: Jede Suizidankündigung ist grundsätzlich ernst zu nehmen. Die meisten Suizidenten kündigen ihren Suizid an. Sollte jemand in Ihrer Umgebung eine entsprechende Äusserungen machen, gehen Sie dem in jedem Fall nach. Fragen Sie nach, suchen Sie das Gespräch. Ein Gespräch über Suizidalität löst diese weder aus noch wird diese dadurch verstärkt. Im Gegenteil: Eine Suizidankündigung ist eine Chance, einen Suizid zu verhindern.


Es werden keine schlafenden Hund durch ein Gespräch geweckt. Wenn Suizidalität ein Thema ist, dann ist der Hund sowieso schon wach. Sprechen Sie die betroffene Person darauf an, denn so haben Sie im besten Fall die Chance, den Suizid zu verhindern. Will die betroffene Person nicht sprechen, dann verständigen Sie die Rettung und/oder die Polizei. Tragen Sie diese Verantwortung nicht alleine, holen Sie sich Fachleute und zwar nicht morgen, sondern heute.


Wie geht es Personen nach einem "missglückten" Suizidversuch?


Ein Suizidversuch drückt meist eine akute Krise und ein psychischer Ausnahmezustand aus. Nach einem missglückten Suizidversuch braucht es professionelle Hilfe. Meistens erleben Personen nach einem missglückten Suizidversuch widersprüchliche Gefühle - manche sind traurig, andere freudig, andere verwirrt, andere enttäuscht. Die mögliche Gefühlspalette ist breit. Wichtig ist, zu wissen, dass die Verarbeitung dieser Gefühle sowie der eigentlichen Krise möglich ist.


Wie geht es den Angehörigen?


Der erfolgte Suizid eines Familienangehörigen oder Freundes hinterlässt tiefe Spuren in denen, die zurückgelassen wurden. Die Angehörigen empfinden oft intensive Gefühle, dabei sowohl Traurigkeit und Schmerz, aber auch Wut, Ärger und Schuldgefühle können auftreten. Viele hadern mit sich und fragen sich: "Hätte ich es verhindern können?" Sehr betroffen sind auch diejenigen, die den Angehörigen nach erfolgtem Suizid gefunden haben. Dies kann in eine Belastungsstörung münden (bspw. PTBS oder Depression).


Nochmals: Sind Sie in einer akuten Krise?


Wenn Sie sich aktuell in einer akuten Krise befinden, dann holen Sie sich Hilfe. Hier sind Notfallnummern für die Schweiz:

  • Rettung: 144

  • Feuerwehr: 118

  • Polizei: 117

  • Rega: 1414

  • Europäische Notfallnummer: 112

  • Toxisches Zentrum: 145

  • Die dargebotene Hand: 143


Lesetipps


Eink, M. & Haltenhof, H. (2009). Umgang mit suizidgefährdeten Menschen. Psychiatrie Verlag: Bonn.


Obsan zum Thema Suizid: Link.


Rotthaus, W. (2020). Suizidhandlungen von Kindern und Jugendlichen. Erkennen, verstehen, vorbeugen. Carl-Auer: Heidelberg.


Yalom, I. (2010). In die Sonne schauen. btb: München.


Autorin


Dr. phil. Sandy Krammer, LL.M.

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